Wo Geschichte atmen kann

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Das große Werk ist vollbracht! Weinheim ist um ein Kleinod in seiner Altstadt reicher geworden. Die Ulner Kapelle, einst christlich geweihter Ort für die Zusammenkunft gläubiger Menschen, erstrahlt in neuem Glanz und zeigt sich in neuer Funktionalität.

Angelehnt an den Ausspruch von Don Bosco „Der Teufel hat Angst vor fröhlichen Menschen“, haben das Unternehmer-Ehepaar Maria Bouvier-Noor und Thomas Noor gemeinsam mit Architekt Constantin Görtz, Restaurator Hans-Dieter Zopf und Bauleiter Patrick Coughlan in zweieinhalb Jahren einen modernen Tempel der Begegnung von Religion, Kunst und Kultur geschaffen.
Die unter Millionenaufwand erfolgten Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten hätten in einem Meisterwerk geendet, zeigte sich Oberbürgermeister Heiner Bernhard begeistert. In den Räumen der ursprünglich dem Heiligen Wilhelm von Mallavalle geweihten Kapelle und späteren Ulnerschen Kapelle „atmet die Geschichte“.
Hier würden Menschen und Ereignisse im Kopf des Besuchers lebendig und blieben präsent, ohne dass die Vergangenheit wie eine Last auf den Schultern liege. Architekt Görtz habe es verstanden, die über Jahrhunderte bewegte Geschichte von Kapelle und benachbartem Hospiz „wie in einem guten historischen Kinofilm darzustellen“.

Es sei eine lange Reise gewesen, um anzukommen: „Aber jetzt sind wir da“, freuten sich Maria Bouvier-Noor und Thomas Noor. Die „neue“ Ulnersche Kapelle als „Event-Location“, die moderne Technik mit Tradition vereinigt, diene als „multifunktionale Begegnungsstätte für Menschen, die Toleranz untereinander und gegenüber anderen Religionen schätzen“.

„Das Gebäude selbst bestimmte unseren Weg“, so Noor und Architekt Görtz. Geprägt vom „Respekt vor alten Materialien“ hatte der Umbau im März 2012 begonnen, ein Jahr zuvor war der Kaufvertrag unterschrieben worden. 3800 mehr als 600 Jahre alte handgefertigte Cottoplatten, die man unter einer dicken Staubschicht auf dem Dachboden fand, wurden als Fußboden im Kirchenschiff verlegt. Das Holz der alten Treppe fand in Tischen und der Bartheke neue Verwendung.

Illusionsmalerei im Kirchenschiff, Abbildungen der Gottesmutter Maria und von Maria Magdalena der französischen Künstlerinnen Amaryllis Bataille und Flores („Blutendes Herz Israels“) sowie eine mit 1001 Sternen bemalte Decke prägen den Chorraum. Für 25 Euro kann hier jeder einen Stern erwerben. Der Erlös von 25 000 Euro kommt vier caritativen Einrichtungen zugute.

EinevonDiakonGünterHuthunddem Ehepaar Noor enthüllte Statue des Heiligen Wilhelm von Mallavalle sowie ein aus dem Jahre 1909 stammendes Harmonium zählen mit zu den weiteren Preziosen im Inneren. Die Statue war ebenfalls erst kürzlich auf dem Speicher der St. Laurentius-Kirche entdeckt worden. Gemälde an den Wänden bilden die vier großen Weltreligionen ab. „Wir sehen einen neuen Raum, der überzeugt und seine Herkunft aus der Geschichte nicht unterdrückt“, machte Diakon Huth deutlich. Was die Kirchengemeinde besonders freut: Es dürfen hier auch weiterhin Gottesdienste abgehalten werden. Eine erste Gelegenheit hierzu besteht bereits am kommenden Samstag, 21. Dezember, wenn ab 7 Uhr morgens, nur von Kerzenschein erleuchtet, ein Rorate-Amt gefeiert wird.

UlrichKammerer (Saxofon) und Wolfgang Schröter (Harmonium), der Weinheimer Kammerchor unter der Leitung von Juliane Oberst („Minuit Chrétiens“), Charly Djivanidis („Aisha“), Oxana Schmiedel auf dem Steinway-Flügel und Tenor Helmut Schmiedel („Ein Stern, der deinen Namen trägt“) umrahmten die stilvolle Eröffnungsfeier musikalisch.

Rhein-Neckar-Zeitung, 17.12.2013
Bilder: Kreutzer