Ein Kleinod Weinheimer Stadtgeschichte

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Tag des offenen Denkmals: Am 9. September ist die Ulnerkapelle am Marktplatz zu besichtigen, die gerade saniert wird

Es ist die derzeit größte Sanierungsmaßnahme in der ganzen Stadt, so wie die Ulnersche Kapelle zwischen Marktplatz und Stadtmühlgasse eines der wichtigsten Denkmäler überhaupt ist. Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, gehört das Gebäude zu den historischen Kleinoden, die sich von 13.30 bis 18 Uhr den interessierten Besuchern öffnen werden, teilt die Stadtverwaltung Weinheim in einer Pressemitteilung mit.

Erstmals 1368 erwähnt

Die erste Erwähnung der Kapelle stammt aus der Urkunde des Domkapitels Mainz aus dem Jahre 1368. Die gottgeweihte Hildegund zu Weinheim, die in Worms wohnte, machte eine fromme Stiftung und übertrug die Mittel ihrem Bruder Johannes Schultheiß von Weinheim mit der Auflage, in der Neustadt eine Kirche aus Stein zu errichten.
Von dem Geld wurde in der Weinheimer Neustadt eine aus Holz erbaute Kapelle durch einen Steinbau ersetzt, das war etwa zwischen 1350 und 1367. Neben der Kapelle ließ Johannes Schultheiß ein Armenhospital erbauen.

Seit 2011 in Privatbesitz

Nachdem die Linie ausgestorben war, kam die Verwaltung der Spitalstiftung mit der Kapelle an seine Witwe, einer gebürtigen Ulner von Dieburg. Nach dem Aussterben der Ulner von Dieburg im Mannesstamm (1771) übernahm Wolfgang Heribert von Dalberg, Ehemann der ältesten Erbtochter, Elisabeth Augusta, die Verwaltung der Stiftung.
Erst seit 2011 ist die Kirche samt Hospital in Privatbesitz der Weinheimer Unternehmerfamilie Noor und wird umfassend instand gesetzt.
Der Haupteingang stammt aus der barocken Renovierung der Kapelle und liegt gegenüber der Stadtmühlgasse an der fast acht Meter höheren Hauptstraße. Von dort führen 20 Stufen durch das Spitzbogenportal unter die Empore, weitere acht Stufen führen zum Kirchenschiff.
Der Chor der Kapelle ist dreiseitig geschlossen. Die Spitzbogenfenster stammen aus der Erbauungszeit der Kapelle (1350-1367). Zwischen dem Hospital und der Kapelle ist die Sakristei eingeschoben.
Im Rahmen der rund zwei Jahre dauernden denkmalgerechten Sanierung soll der Kirchenraum für Veranstaltungen, etwa für Kunst, Kultur, Liturgie, Hochzeiten und Empfänge hergerichtet werden.

Reise durch die Zeit

Ein Gang durch die historischen, von dem Unternehmerehepaar Maria Bouvier-Noor und Thomas Noor erworbenen, Mauern, gleicht für Interessierte einer Reise durch die Zeit. Denn im Zuge der umfangreichen Sanierungsarbeiten kommen fast täglich immer neue Details ans Tageslicht. So wird die für 2,5 Millionen Euro wieder herzustellende Ulnerkapelle ein besonderer Anziehungspunkt sein.

Am Tag des offenen Denkmals ist die Kapelle von 13.30 bis 18.30 Uhr geöffnet. Führungen mit dem Weinheimer Architekten Constantin Görtz finden jeweils um 14.30, 15.30 und 16.30 Uhr statt. Weitere Informationen im Internet unter der Adresse www.weinheim.de

Lampertheimer Zeitung, 31.08.2013